Sommer 2009

 

 

Endlich bricht unser lang ersehnter Jahresurlaub an. Fast ein ganzes Jahr ohne "richtigen Urlaub", bedingt durch Aufnahme neuer Tätigkeiten und dem Kauf eines Appartements. Das Leben auf dem Camping eingetauscht gegen die Aussicht in luftiger Höhe.

Ja, wir sind seßhaft und "normal" geworden, im Moment zumindest die beste Lösung.......

Mal sehen was die Zukunft bringt - Reiner hat als Leselektüre "In 1000 Tagen von Alaska nach Feuerland mitgenommen.....  (Nein Doris- das Leben besteht nicht nur aus Reisen- aber philosophieren darf man ja !).

 

Nach langem hin- und her überlegen (Doris möchte ans Wasser, was denn auch sonst...wg. der perfekten Welle...irgendwann werde ich sie im Bild festhalten...) und Überlegungen, daß es um diese Zeit im Norden schon bannig frisch sein kann, entscheiden wir uns für die Region im Südwesten Deutschlands und das Elsass. Dort waren wir noch nicht und die Temperaturen sollen auch noch einigermaßen sein- so sagt man.

Zur Not bliebe einem ja noch die Flucht über die Alpen Richtung Italien. Bin Mal gespannt, wohin es uns verschlägt...............

 

Motto der Reise: Magnetismus einmal anders erklärt.......



Raus aus den Arbeitsklamotten, duschen. Moppel zittert erwartungsvoll (nein, es ist nicht der Wind!). Für ihn ist es, nach 2 Jahren Gefangenschaft auf dem Hof des Womohändlers, auch die erste längere Tour.

Wir wollen bis Sinzig, dort am Rhein übernachten (wg. Wasser). Leider hat Elsbeth -unser Navi- einige Aussetzer, so das wir, da wir leider keine einzige Deutschlandkarte bei uns haben, in Remagen landen.

 

Wir wollen bis Sinzig, dort am Rhein übernachten (wg. Wasser).

Leider hat Elsbeth -unser Navi- einige Aussetzer, so das wir, da wir leider keine einzige Deutschlandkarte bei uns haben, in Remagen landen.

 

  Fazit- fahre nie ohne Dein altes Navi (Ehefrau-Freundin) mit Kartenführung. Sie ertragen zwar Anpflaumer (O-Ton an Elsbeth: "Nein, Du dusselige Kuh, ich bieg nicht mitten auf der Autobahn links ab!!!!") nicht mit der gleichen stoischen Ruhe und Verständnis ( "Bitte bei der nächsten Gelegenheit wenden"), die finden aber zumeist gleich den richtigen Weg.

Womit wir eigentlich wieder bei einem Thema wären:

(warum ist das Navi eingeschaltet, wenn der Fahrer doch so oder so den einzigen und wahren Weg weiß?!), das eine eigene Abhandlung nötig hätte.

   Das liegt zwar mit Rheinsicht, die Einfahrt ist schwer zu finden, es geht über einen Schotterweg auf den Platz, der nur durch einen Zaun vom Campingplatz getrennt ist. Soll 12 Euro kosten, Strom 2,50 extra. Das ganze einzuwerfen in eine Parkscheinautomaten. Da unser 50 cent und 1 Euro Vorrat begrenzt ist und uns das ganze für einen kurzen Zwischenstopp doch etwas zu kostspielig ist,

schmeissen wir den Diesel an und übernachten in Sinzig- Bad Bodendorf bei der Therme. 

 

Hier gibt es keinen Sat- oder DVBT- Empfang, zumindest nicht im hinteren Bereich! Also perfekt geeignet zum Ausruhen nach langer Fahrt!!!!

5. September 2009

Motto des Tages:

Was ist des Deutschen liebstes Verkehrsschild....................Baustelle!

Ich hasse Talbrücken!

Weiter geht`s auf der A 61 In Richtung älteste Stadt Deutschlands - Worms.

Bei der Anfahrt stellt sich Vorfreude auf "Geschichte live" ein.Der Stellplatz am "direkt am Rhein" erweist sich als umzäuntes Gelände mit Aussicht auf die Stadt. Mit Sicht zumindest dann, wenn dort nicht ein Riesen- Riesenrad und weitere Fahrgeschäfte die Sicht versperren würden. Mit sicherem Gespür haben wir anscheinend mal wieder ein Volksfest erwischt.In diesem Fall das Backfischfest.

Da sich angesichts dieser Gerüche doch ein leichtes Hungergefühl bemerkbar macht, gibt es erstmal eine Bratwurst auf dem Jahrmarkt. Viele Fahrgeschäfte, vom alten Kettenkarussell bis hin zu hypermodernen Turm mit Nervenkitzel in 43 m Höhe. Da wir wie gesagt wirklich urlaubsreif sind, werden wir erst morgen Worms erobern. Da der Rhein gleich nebenan ist, gehen wir noch ein Stück auf der Promenade lang und genießen von hier die Aussicht auf das....Wasser!

 

6. September 2009

 

Nach ausgiebigem Frühstück wollen wir also Worms erleben. Da das Backfischfest recht lange laut war haben wir erstmal "ausgeschlafen".

So beeindruckend der erste Eindruck war, ist es für uns eine Riesenenttäuschung. Wir für uns reihen Worms ein in eine der häßlichsten Städte Deutschlands, größtenteils nach dem Krieg aus dem Boden gestampfte Einheitsarchitektur mit dem Charme der Nachkriegsjahre.

Im Dom selbst: Das Gefühl, das man in einigen Kirchen hat, will sich hier trotz der geschichtsträchtigen Umgebung einfach nicht einstellen. Er weckt Erinnerungen an die Hexenverfolgungen und die Allmacht der Kirche zur damaligen Zeit. Fragmente des alten Kreuzganges stellen sich als die schönsten ursprünglichen Stücke dar.

Nun denn, geh`n wir mal in der Touri Info fragen, wo denn hier die Altstadt ist. Lapidare Antwort:" Also wenn Sie eine Altstadt suchen, müssen Sie wohl nach Köln fahren!!!"------Sorry für die Störung!!

 


 

 So beschliessen wir, Moppel zu satteln und weiter zu fahren Richtung Speyer.

 Als Übernachtungsplatz haben wir Germersheim auserkoren. Ein schöner Platz direkt an der Stadtmauer. Aber wie so oft in letzter Zeit ist es hier alles voll! Darum geht es gleich weiter nach Speyer zum Platz  direkt beim Technikmuseum.

Der Stellplatz kostet 22 Euro, nicht ganz günstig, aber dafür ist man innerhalb von 5 Minuten Fußweg beim Technikmuseum. Vom Stellplatz aus bekommt man bereits einen ersten Eindruck von der Austellung, mit Blick auf die Boeing 747 und andere Flieger.

Im Preis inbegriffen ist eine Ermäßigung beim Eintritt, sowie die kostenlose Benutzung der Sanitärräume des Platzes. Lautes Getöse macht uns neugierig. Direkt hinter dem Stellplatz befindet sich ein kleiner Flugplatz. Von dort sollen gerade Heißluftballons aufsteigen. Also nix wie Stühle gepackt, ein "lekker pilsje" mitgenommen und ab auf´n "Deich". 

Etliche Ballons werden "heißgemacht" und steigen auf, zwischendurch landen und starten immer wieder die kleinen Sportflugzeuge.


 

 Nach der Enttäuschung in Worms beschließen wir, uns nicht den Dom anzusehen, sondern gleich ins Museum zu starten. Die in der Übernachtungsgebühr enthaltene Ermässigung beläuft sich auf sage und schreibe 1 Euro. Im Innenbereich fällt uns auf, daß, wenn man z. B. die Lok in Aktion erleben will, erst 1 Euro oder eine "Museumsmünze" in die Kästchen einwerfen muß. Für unser Empfinden nicht gerade familienfreundlich, müssen die meisten Familien ihr Geld doch zusammenhalten!

 Dafür bekommt man auf den Aussengelände viel geboten. Wir erklimmen als erstes die Stufen zur Boeing 747. Hilfe, sie schwankt, da sie nur auf dem Fahrwerk steht. Durch Stahlseile gesichert zwar, aber man hat trotzdem das ungute Gefühl, daß starker Seegang herrscht. Von oben (eigentlich doch gaaaanz schön hoch hier...)hat man einen Blick uber das ganze Gelände. Ich muß feststellen, daß man, will man wieder nach unten, die Fernsicht nicht wirklich genießen kann. Zumindest ich nicht. Nach kurzer Panik lasse ich das laute Gekläffe meines inneren Schweinehundes (kschksch, ruhig Du!!!) ausser Acht, murmele Mantras (ich schaffe das, ich schahaffe das?!), kralle mich am Geländer fest und beginne den Abstieg. Den Auf- und Abstieg zur Antonov meistere ich schon souveräner.

Besonders interessant: Das russische Space Shuttle "Buran".  

 Kaum zu glauben, daß mit diesen Raumgleitern der Schritt in den Weltraum möglich ist. Ich hatte es mir viel größer vorgestellt! Da wir nicht noch eine Nacht beim Museum verbringen wollen und es auf dem Werder im Rhein alles voll steht, fahren wir direkt weiter

 

Als nächste Station haben wir uns Strasbourgh vorgenommen. Wir nutzen allerdings nicht den Stellplatz in Strasbourgh selbst, sondern entscheiden uns für Kehl. Der dortige Stellplatz liegt beim Wasserturm, in der Nähe vom Rhein und der Europabrücke, die nur für Fahrradfahrer und Fußgänger gedacht ist. In derMitte der Brücke gibt es eine Plattform, auf der man die Aussicht zwischen 2 Ländern geniessen kann.

Der Platz ist gut gefüllt, kann man doch von hier aus mit dem Fiets nach Strasbourgh. Erzählen uns "rüstige Rentner".  Aber das werden wir morgen in Angriff nehmen. Zunächst essen wir etwas beim nahen Camping, ist allerdings nicht zu empfeheln. Das Bier wiederum war lecker-bei den Temperaturen hat man ja eh nicht so viel Hunger!!! In der Nähe liegt noch eine Aussichtsplattform, die ich todesmutig (es wird dunkel!) ersteige----------------doch, mein Schweinehund winselt gaaaanz leise und ich schaffe es----------------bis zur 3. (Reiner sagt 2.) Etage.

Frankreich ruft! Auf nach Strasbourg! Da wir es zu umständlich finden, mit dem Bus zu fahren, nehmen wir die Fiets. Nach Reiners Knie OP zwar anstrengend, aber was rentner schaffen ,sollte doch auch für uns doch auch kein Problem sein! So dachten wir - und am Ende des Tages habe ich erledigt mein Urteil betreffend der Fitness von der älteren Generation  gründlich revidiert. Ausgestattet mit reichlich Wasser geht`s über die Brücke durch den "Garten der 2 Ufer" und dank des "Baedecker Reiseführers" finden wir die City recht gut. Allerdings denke ich mit Grauen an den Rückweg (soviel zur Fitness). Aber warum sind die Fiets überall mit mindestens 1 Kette an absolut unbeweglichen Gegenständen festgebunden?????? Da wir wie immer den Schlüssel für das Kettenschloß vergessen haben, parken wir direkt neben dem Fahrkartenschalter für die Tram, in der Hoffnung, daß sie von dort nicht weggetragen werden!


Es gibt viel zu sehen. Besonders sehenwert für uns: Das Gerberviertel, das Münster, ein beeindruckendes Bauwerk, mit seinen zahllosen Ornamenten und Figuren. Schön besonders die Gassen, die abseits der Touriströme liegen.

Auf dem Rückweg (ja, die Fiets wollte doch keiner), wählen wir den Weg an der Promenade entlang, er ist kürzer und auch nicht so verkehrsreich. Trotzdem, diese Steigungen sind nu echt nix für uns Flachlandtiroler.

Elsass wir kommen! Von Strasbourg aus fahren wir auf der "Route du vin" Richtung Süden. In Chantenois machen wir einen Zwischenstop, um der Karawane der Wohnmobile zu entkommen. Ein nettes Örtchen, fast keine Touris, ein Spaziergang rund um den Ort lässt ein erstesin nettes Örtchen, fast keine Touris, ein Spaziergang rund um den Ort lässt ein erstes Elsass-feeling aufkommen. In die Geranienpflanzungen kann man sich wirklich verlieben. Wenn da nur nicht dieses ungute Gefühl wäre, daß es hier doch sehr, sehr voll werden könnte!Wir verwerfen den Plan auf einem der zahlreichen Stellplätze zu übernachten, da wir lieber etwas mehr bezahlen, als wiedereinmal im Ghetto zu stehen.

Ein "Bauerncamping" ist die Lösung. Davon gibt es hier viele, aber auch hier muß man unterscheiden zwischen "Abstellplatz" und wirklich schönen Anlagen, Wir landen in Bergheim, beim Camping a la Ferme "Les Noyers".

An der Rezeption, die Chefin, eine alte Bäuerin ("Ich bin ganz allein, die anderen sind im Wein"), die übrigens sehr gut Deutsch spricht, sieht unser gelbes Kennzeichen und erzöhlt gleich:

 "Also ich war einmal in meinem Leben in Holland, mit einer Reisegruppe. Um die Tulpenblüte zu sehen. Aber stellen Sie sich vor, im Amsterdam nur ein paar Tulpen und sonst auch nix: Ich dacht, daß die dort dann überall blühen. Was denken Sie, wo wir dann Tulpen gesehen haben? Im Großmarkt, da ist der Fahrer dann extra mit uns hin, weil wir alle so enttäuscht waren. Nein, da bleib ich lieber hier, hier blüht es überall viel schöner!!!"

Nach ruhiger Nacht ohne klappernde Klappen von Nachbarn (das klappern mit den zahlreichen Klappen zu früher Stunde erweist sich doch immer wieder als die liebste Beschäftigung vieler Zeitgenossen, die die Kuschelatmosphäre" auf vielen Stellplätzen lieben, vermutlich zur gleichen Gattung gehörend wie die "ich hab so Angst alleine zu stehn Menschen", die einem trotz großem Stellplatz dicht auf die Pelle rücken), beschliessen wir die Touristenhochburgen zu meiden und brechen auf Richtung Kaysersberg. Ein nettes Örtchen, nicht so überlaufen wie Ribeauville und Riquewihr, dort stehen Busse zuhauf auf den Parkplätzen! Die so typischen Geranienbepflanzungen und das typisch elsässische Flair lassen sich in kleinen Orten abseits der Touriroute auch viel besser geniessen! So sehen wir uns auf dem Rückweg zum Camping noch etliche kleine Dörfer an.

Es zieht uns weiter Richtung Süden, das Wasser ruft! Wir durchfahren Neuf Brisach, wollen eigentlich in Breisach auf den Stellplatz direkt am Rhein. Leider entpuppt sich auch dieser Platz wieder einmal als günstiger Abstellplatz mit Kasernenhof-Charme, also weiter. Freiburg ist das nächste Ziel. Der Stellplatz dort kostet zwar nur 6 Euro, aber dafür liegt er sehr verkehrsgünstig, mit Tram und gratis Güterzügen und wie bei fast allen günstigen Plätzen ist auch hier der Kuschelfaktor mit Nachbarn unterm Fenster sehr groß.

Darum: Auf zum Titisee. Wir scheuchen Moppel durch die Berge, er meistert sie super, hat er doch mehr PS und weniger Gewicht als unsere Oudjes. Der Weg zum See führt durch die " Höllenschlucht. Serpentinen und Abgründe, das Terrain, auf dem sich Doris so richtig wohlfühlt (Zitat Reiner: Also, wenn Du fahren möchtest....Du sitzt ja eh schon fast auf meinem Schoß!), als Bremskraftverstärker fungiert (Reiner`s Idee: Ich bau Dir auf Deine Seite auch ein Lenkrad und Pedale hin, dann haben wir jedenfalls keine Ausbuchtungen mehr im Bodenblech!!!).

Vorbei geht`s  am Angschteckli (extra für mich?!), zum fürchten vor der Einfahrt in die Schlucht und am Hirschsprung. Zahlreiche Serpentinen weiter gibt`s ein "Verschnuffeckli", zum Luftholen nach dem Anstieg. Koid ist`s hier daroben. Der Stellplatz in Titisee liegt direkt an der Bahn. Wir übernachten daher auf dem Camping.

Nach wunderbar ruhiger Nacht stelle ich nach dem altbewährten "Fußtest"fest, daß 14 Grad doch zu schattig sind (bei kalter Nase: Fuß raus aus dem Bett -brrrr kalt, Fuß wieder rein, kurz frieren, raus, Heizung an und wieder ins Bett zurück). Wäre es wärmer gewesen, hätten wir uns den See erwandert, aber so brechen wir auf zum Bodensee, unser eigentliches Ziel.





InRadolfzell ist der erste Stellplatz mit Zigeunern bevölkert (richtige, nicht bloß so Pseudos wie wir), überall liegt Müll, nicht gerade einladend. Der 2. Platz auf der Halbinsel ist schwer zu finden, zumal Elsbeth mal wieder zickt-geht, geht nicht usw. Hier ist alles voll. Gut, dann eben zum Böhringer See. Liegt in the middle of nowhere, direkt am See. Für 10 Euro incl. Strom / VE steht man hier wunderbar. 

Im See darf man gegen Entgeld angeln. Leider haben wir keine Köder. Aber als alte Pfadfinder entdecken wir einen Haufen, auf dem Gartenabfälle des Campings gesammelt werden. Und was finden Würmer lecker? Richtiiich!

Sehr praktisch: Unten am See ist ein Imbiss, mit Bier und Bänken. Die Würmer können gebadet werden. Weil die Würmer heute tief fliegen und die Bäume auch (habe iiich gesagt: wirf doch mal dahin?! Ich glaube ja :( !), bekommt Reiner noch 2 Angelhaken von den Bosniern geschenkt, die hier ihren Mais baden. Nachdem die Fische beschlossen haben, am anderen Ufer zu springen (nein, sie strecken uns nicht die Zunge raus, das war sicher eine Flosse) und die Mücken lebhaftes Interesse an unserem Blut bekunden, entschliessen wir uns für den würdevollen Rückzug ohne Beute. Den nächsten Tag verbringen wir noch in Ruhe hier, ich bete die Sonne an, Reiner guckt Formel 1, aber dann geben wir noch mal den Würmern die Chance Freischwimmer zu machen (Nääää, watt makaber!). Morgen geht`s zum Bodensee.

Ob es da die perfekte Welle gibt? Wohl eher nicht!

Zumindest "Seeluft"


Wir werden durch leichtes Getrommel auf Moppels Dach gweckt.

Regen. Punkt. Kalt. Punkt!!! Ich denke, hier am Bodensee ist son tolles Klima!!! In Überlingen gibt es einen Stellplatz und der ist.... richtig- voll. Sämtliche Rentner Deutschlands haben sich am Bodensee verabredet, Wegen des Heilklimas. Wahrscheinlich.

Auf der Wiese nebenan darf man auch stehen, also weichen wir dorthin aus. Prima, wieder ein Ghetto!

Das Gefühl, nicht am rechten Fleck zu sein, wird immer ausgeprägter. Wir sind doch aber unterwegs, also bitte, was fehlt? In mir eine Stimme, die leise flüstert, aber ich hör nicht hin, ich hör nicht hin-----

Mit dem Bodenseeticket ab mit dem Bus downtown. Gut besucht hier. Und vor allem ein grosser Markt für Sanitötshöuser hier. sie sind hier so zahlreich, wie ich es noch nie gesehen habe. Vermutlich wegen des Heilklimas. Oder so.

Ist das der Urlaub, den wir wollten. Ein dreifaches: Nein Nein Nein!

Zurück im Ghetto läuft mir eine Katze über den Weg, sieht aus wie ein Kater, der mal uns als Dosenöffner auserkoren hatte. Schnurrt, liegt in meinem Arm und findet Wohnmobil toll. Entweder sind ihre Leute ohne sie abgereist oder aber sie ist so clever wie unser Kater und schlaucht sich überall durch. (Zitat Bäuerin-Nachbarin in unserer alten Heimat: "Ach ist das Ihr Kater? So ein liebes Tier, läuft immer mit mir mit beim melken und bekommt dann seine Milch..............." Anderer Nachbar: "Ach, der schläft immer bei mir, ich hab mal Sheba gekauft. Ist der von Euch?")

Abends schaut Reiner mich an und sagt: "Eigentlich hast Du doch Heimweh, solln wir nach Schleswig-Holstein?"

Und ratet mal, was dann passierte................ 

Reiner hat abends meinen großen Bruder in Rendsburg angerufen. Trockener Holsteiner Kommentar:" Jo, dat het ik di glieks seggn kunnt, dat is ook nix förn Nordlicht an som See." (Hochdeutsch: Wärt ihr mal gleich Richtung Norden!). Das sind mal eben schlappe 936km (sagt Elsbeth). Wir fahren bis Hann. Münden,Reiners Geburtsstadt. Eine meiner Lieblingsstädte, wo man dieses "Hier bin ich richtig" Gefühl hat. Übernachtung wie immer auf dem Camping, dort kennt man uns, die Deutschen mit dem Blindenkennzeichen.

Nach einer Stärkung bei Reiners Schwester gehts weiter. Der Norden kommt näher. Der Himmel wird langsam weiter, norddeutsch!

Kurz bevor die Stelle auf der A 7 kommt, wo man den Hafen zum ersten Mal sehen kann, tippt Reiner mich an. Ich heul da immer. Irgenein Mechanismus wird an dieser Stelle ausgelöst. Die 23 Baustellen unterwegs sind vergessen.

Hafen. Containerfrachter, Tunnel .

Schild: "Schleswig-Holstein - Land der Horizonte".

Reiner tippt, Doris tropft. Klappt immer.

 

Angekommen.

In der Heimat des Herzens.


Gestern abend beim Schachtholm Airport eine richtige Currywurst gegessen, nicht so ne geschredderte Rheinländische Bratwurst, nein die von Stöver! Dann Übernachtung an unserem Geheimtipp am Kanal, steht in keinem Stellplatzführer! Mit Blick auf den Kanal philosophieren wir über alles mögliche, endlich beginnt der Kopf frei zu werden!

Am Morgen, lange nicht so gut geschlafen, klingelt das Handy. Eine Stimme ertönt, die sagt: "Mach mal die Tür auf und schau hinter Moppel, wir haben Kaffe und Brötchen mitgebracht. Mein grosser Bruder!!!!

Da die Sonne lacht, weil Reiner und Doschi wieder da sind, frühstücken wir mit Platz in der ersten Reihe am NOK.

Ist das schöööööööön!

 Angekommen

Angekommen sein.

In sich ruhn.

Das "richtige" Gefühl.

Ein jeder entscheide für sich, wann und wo das ist.

Für mich Schleswig-Holstein.

Das  meerumschlungene Land der Horizonte.

Kalte Nasen, kalte Füße, Wind, der den Kopf freipustet.

Heimat des Herzens.




Uns zieht es die Schlei, in den Schleipark,  direkt an der Schlei. Wir ziehen diesem Platz dem Stellplatz am Hafen vor (wg. Kuschelatmosphäre). Von hier aus ist man auch mit dem Fahrrad in 10 Minuten "downtown". Besonders zu empfehlen in SL: der Holm, eine alte Fischersiedlung, die Moorleichen im Schloß Gottorf und Haithabu. Da wir uns das alles schon angesehen haben, geniessen wir einfach die ruhige Atmosphäre hier. Und das Gefühl: Dat passt! 

 


Maasholm - einer meiner Lieblingsplätze, besondersM im Winter, da ist`s nicht so voll Touris (da zähl ich mich nicht dazu!!!!). Hier stehen viele FL, SL, RD-Kennzeichen, da bekommt man als "Nordi" schnell Kontakt. Man spricht die gleiche Sprache. Der Hafenmeister erkennt uns trotz gelbem Kennzeichen wieder. Früher waren wir schließlich sozusagen Stammgäste.

Die anwesenden rheinischen Frohnaturen (ist ja kein Karneval) und auch Berliner erweisen sich als erstaunlich spaßresistent. Klappt immer: Einfach unaufgefordert ansprechen (z. B."Moinsen"), nicht über die erschrockenen Gesichter wundern. Meistens wechseln sie ab diesem Zeitpunkt kein Wort mehr mit uns (obwohl wir doch des hochdeutschen mächtig sind!!!).  Das funktioniert mit besagter Menschengattung übrigens nicht nur hier im Norden, sondern bundesweit. Vielleicht liegt

das an der Mär vom sturen Norddeutschen. Wir geniessen die Sonne, sehen den Fischerbooten beim Anlegen zu, esen Eis und geniessen das Leben. 

Es ist wunderbar ruhig hier, trotz der vielen Womos. Es geht mit dem fiets an die Ostsee. der Wind bläst von Osten, die Sonne scheint, es riecht, wie es nur an der Ostsee riecht! Ich fröhne meiner waren Profession - Steine und Treibholz sammeln. Kann man immer mal gebrauchen. Finde ich zumindest. Sitzt wohl in jedem Holsteiner, dieser Reflex: Strand-Kopf runter-Steine grasen!

Das ist Urlaub. der Blick über das Wasser, Mowen, Segler. Und natürlich der einzigartige Ostseegeruch aus einer Mischung von Meer, Seetang, Schlick, Kraut und Sand! Wer ihn nicht kennt, hat etwas verpaßt. Die Nordsee oder das Mittelmeer haben ihren eigenen, so ganz anderen Geruch. Aber ich bin parteiisch, bin ich doch "made an der Ostsee". Abends lecker Fisch im "Störtebecker".

 

Es ist immer noch warm. Eigentlich sind wir doch schon fast in Dänemark.Da, wo`s die schönen Kerzen gibt....................Und den Angelteich, wo man übernachten kann.....! Ja, alsoooo, daß würde ja sowas von passen.Okay, das lütte Stück bis Rödekro (sprich Röllkroo- das L mit breiter Zunge, klappt am besten nach ein paar Öl oder Rödvin-Röllvin) fahren wir mal eben.


Maasholm tschüß (Reiner tippt und was passiert dann....), Dänemark wir kommen! Die Forellen des Fiskepark begrüssen uns vor Freude mit Luftsprüngen. Vielleicht ist es auch ein Hoch- und Weitsprungwettbewerb. Scheinbar haben die Fische gerade Ramadan........nicht ein Biß! Reiner sucht "Löggumklosterlys" aus. Leider kann man die Kerzen nicht mehr direkt in Löggumkloster in der Fabrik kaufen. Erinnerungen an alte Zeiten in unserem früheren Leben werden wach. Hier haben wir Kerzen für unsere Weihnachtsausstellungen eingekauft, war eine "Pfundssache". Überproduktionen wurden pfundweise verkauft, eine prima Verkaufsstrategie, denn wer legt schon eine Kerze zurück, die einmal im Korb liegt! Wir haben dies auf Weihnachtsmärkten auch getan und ich denke mit Wehmut an diese schönen Zeiten zurück.

Die Marktatmosphäre, besonders in Tönning im alten Packhaus ist unvergleichlich und hat mich, genau wie das Zigeunerleben, süchtig gemacht. Eine Marktratte eben. Es wäre doch schön, wenn man Berufsleben und das kombinieren könnte und auch noch gut dabei leben könnte! Aber das ist, im Moment zumindest, nicht möglich. Aber die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Die Zeit wird knapp, es muß Richtung Süden gehen. Husum wird angelaufen, der Stellplatz dort liegt direkt hinter der Bahn. Tönning ist nicht weit, also übernachten wir dort auf dem "Comfort Camp Eider", mit Blick auf die Eidermündung. Die direkt an der Promenade angrenzenden Lokale sind nicht zu empfehlen, Labskaus Marke "Sheba" und Scholle, die brackig schmeckt sind nicht gerade die Krönung des Tages. Aber wie überall, wo viele Touris sind, läßt die Qualität des Essens meist zu wünschen übrig. 

Zum Abschluß wird noch mein kleiner Bruder besucht, abends noch ein Abschiedsessen mit beiden Brüdern plus Frauen und meinem kleinsten Bruder, der eigentlich mein Neffe ist. Aber auch das ist ein Teil meines Lebens, der unter "It`s my life"" fällt.

Gegessen wird in einem echten Holsteiner Dörpskrog, der "Hohner Fähre". Wer einmal richtig deftig holsteinisch essen will, sollte hier einkehren. Es liegt mitten im Nichts direkt an der Eider. Hier geht die Landbevölkerung essen, daß bedeutet die Portionen sind groß und die Preise niedrig und es schmeckt auch noch----! Falls jemand mal in der gegend ist- unbedingt empfehlenswert!

Moppel steht gut mit Aussicht auf Wiesen und Felder. Es heißt Abschied nehmen.

Die letze Nacht verbringen wir auf dem Stellplatz am Steinhuder Meer. Dort besuchen wir noch einen ehemaligen Kollegen, eigentlich Schäfer, den das Leben kurz nach Holland verschlagen hat. Dort mußte er feststellen, daß das Leben als "nummertje" nichts für ihn ist und schnell wieder das weite gesucht hat. Auch ich habe, nach Jahren im "outback" immer noch das Gefühl ein "nummertje" zu sein.

Der letzte Abend bedeutet: Pizza bei "Umberto" in Geldern, wir kennen uns seit Jahren, ein kleines, typisch neapolitanisches Restaurant. Ein kleines Stück Italienfeeling vor der endgültigen Heimkehr in die eigenen 4 Wände.

Wie jedesmal, wenn ich zurück komme, dieses Gefühl was wahrscheinlich viele von uns haben: Ich will nicht! Und doch muß es sein, denn ohne dieses "normale" Leben würde es diese Auszeiten nicht geben.


Und so leben wir wieder für die nächste Auszeit und ich bin sicher - sie ist schon auf dem Weg und wird uns finden.


Irgendwie, irgendwo , irgendwann! 




Eines habe ich auf dieser Reise gelernt: Wieder mehr dem Bauchgefühl zu trauen. Ich brauche nun mal Wasser, Wellen, Wind, Steine, Treibholz und Weite, auch Schietwetter mit Sturm, wo man sich am Wasser den Kopf so richtig freipusten lassen kann.


Der Norden ist und bleibt für uns das schönste Land der Welt, die Luft, die Menschen, direkt und geradeaus. Dat paßt. Wie Ina Möller sagt: Plattdütsch is nich uncool!

Das alles habe ich  durch Reiner erleben können, der großen Liebe meines Lebens, der genauso verrückt ist wie ich. Naja, ich bin darin wohl kaum zu toppen. Ja, es ist so, lacht ruhig- aber die Geschichte hat einen eigenen Platz auf dieser HP verdient- I`m working on it!